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Projekte: Städtebaulicher Rahmenplan Historische Altstadt

 
 
20.04.2010

Von: Quelle: Dr. Langer

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Städtebaulicher Rahmenplan Historische Altstadt Meißen

Neufassung 2007/2008 

 

Die Historische Altstadt Meißen ist seit 1990 Gegenstand von Sanierungsanstrengungen.Im Juli 1990 wurden Vorbereitende Untersuchungen gemäß § 141 BauGB eingeleitet, im November 1991 die Sanierungssatzung beschlossen. Auf dieser Grundlage werden seither Maßnahmen im Rahmen der Programme „Aufschwung-Ost“ (Modellstadtprogramm, bis 1995), „Städtebaulicher Denkmalschutz“ (ab 1995) und „Städtebauliche Erneuerung“ gefördert.

 Das Gesamtvolumen an förderfähigen Kosten zur Sanierung der Altstadt wurde in den vorbereitenden Untersuchungen mit rund 150 Millionen DM beziffert. Eine gewaltige Summe, die jedoch angesichts des desolaten Zustandes der Bausubstanz mehr als gerechtfertigt war. Denn die extrem überalterte Substanz wies einen enormen Sanierungsbedarf auf; von den 410 Hauptgebäuden des Gebietes waren nur zehn in einem sehr guten baulichen Zustand, aber 55 waren im Bestand gefährdet und über 200 mit solch erheblichen Mängeln, dass die Gebäudenutzung beeinträchtigt war.
Infolge dieser Nutzungsbeeinträchtigung war die Funktion der Altstadt als Stadtzentrum und gleichzeitiger Wohnstandort stark beeinträchtigt; von den Missständen im Stadtbild ganz abgesehen.
Hinzu kam der dichte Bestand an hochrangigen Baudenkmalen im Gebiet, den es unbedingt zu erhalten galt. Nicht nur Dom und Albrechtsburg, sondern vor allem der nahezu flächendeckende Besatz mit Bürgerhäusern der Spätgotik, Renaissance und des Barock erforderten einen raschen und umsichtigen Einsatz der Mittel auf der Grundlage einer soliden Planung.
Drohte der Altstadt 1990 noch der Totalverlust einer Vielzahl von historischen Bauten und damit ein unwiederbringlicher Schaden an architektonischen und städtebaulichen Werten, so ist heute festzustellen, dass diese Gefahr abgewendet werden konnte.
Dennoch sind weiterhin städtebauliche Missstände in dem Gebiet zu beobachten. Welcher Art diese sind und welche Ursachen sie haben, wurde innerhalb der Analyse für die Aktualisierung des Städtebaulichen Rahmenplanes „Historische Altstadt“  ermittelt und im Folgenden dargestellt.

 

Inhalt und Aufgabe des Rahmenplanes

Im Herbst 1991 wurde nach Vorbereitenden Untersuchungen gemäß § 141 BauGB vom Meißner Stadtrat der Beschluss über das Sanierungsgebiet „Historische Altstadt“ gefasst. Der gleichzeitig beschlossene städtebauliche Rahmenplan, 1996 aktualisiert, diente seitdem als Grundlage für die Sanierungsmaßnahmen.
Der Rahmenplan mit seinen einzelnen Konzeptionen ist eine Planungsstufe zwischen dem Flächennutzungsplan und den aus ihm zu entwickelnden Bebauungsplänen, er hat keinen rechtsverbindlichen Charakter. Er bildet aber für die Stadt die Beurteilungsgrundlage für alle städtebaulichen und baulichen Maßnahmen in seinem Geltungsbereich. Als flexibles Planungsinstrument kann er der Steuerung und Koordinierung der Sanierungs- und Erneuerungsmaßnahmen dienen sowie dem gezielten Einsatz öffentlicher Fördermittel von Stadt, Land und Bund.
Als im Herbst 1991 die erste Fassung des Rahmenplanes beschlossen wurde, war man sich bewusst, dass dieser Plan nur den "Rahmen" abstecken kann, in dem sich die Sanierung der Altstadt bewegen würde, und dass auch mit einer Fortschreibung, sprich Änderung, des Planes zu rechnen war. So war damals zum Beispiel noch völlig offen, wie schnell die Eigentumsverhältnisse im Plangebiet zu klären sind, welche Dimensionen die private, von Fördermitteln unabhängige Gebäudesanierung erreichen würde, oder welche Maßnahmen der Verkehrsplanung tatsächlich kurzfristig realisierbar seien. In diesem Sinne stellte die Altstadtsanierung auch ein Experimentierfeld dar, das es ständig zu beobachten galt und wo bei Notwendigkeit einmal gesetzte Zielrichtungen präzisiert oder korrigiert werden müssen - wie es auch mit den Sanierungszielen 1993 geschehen ist.
Darüber hinaus erzwingt die Aktualisierung der Planung ein regelmäßiges Monitoring des Sanierungsverlaufs und liefert interessantes Faktenmaterial, auch für die Öffentlichkeitsarbeit. So ist es auch für den Laien anhand vergleichender Analysekarten nachvollziehbar und sicher beeindruckend, welche Fortschritte beispielsweise bei der Verbesserung des Bauzustandes der Wohngebäude zu verzeichnen sind.
Die erste Fortschreibung des Rahmenplanes erfolgte 1995/96. Eine weitere Aktualisierung wurde 2001/2002 begonnen, aber durch die Hochwasserkatastrophe im August 2002, bei der 50% des Plangebietes Hochwasserschäden davontrugen, nicht fortgesetzt. Einerseits war das vor der Flut angefertigte Analysematerial ohnehin nicht mehr aktuell, andererseits setzte die Hochwasserschadenbeseitigung andere Prioritäten.
Nach nunmehr fünf weiteren Jahren, in denen die Hochwasserkatastrophe Lücken in die Bebauungsstruktur gerissen hatte, die tangierende Bundesstraße umgebaut wurde und sich auch die demographische Situation änderte, war es an der Zeit, den Städtebaulichen Rahmenplan erneut zu überarbeiten. 
  
Räumliche Einordnung
Die Stadt Meißen ist mit 27.995 Einwohnern (Stand 31.12.2006) und 30 km² Stadtgebiet ein bedeutendes Mittelzentrum im Ballungsraum "Oberes Elbtal". Sie stellt den nördlichen Abschluss der Siedlungsachse Pirna-Dresden-Meißen dar und ist an die etwa 30 km entfernte Landeshauptstadt verkehrstechnisch gut angebunden.
Die Altstadt Meißens, welche Sanierungsgebiet und gleichzeitig Geltungsbereich dieses Rahmenplanes ist, liegt im Mittelpunkt der Stadt unmittelbar an der Elbe und umfasst eine Fläche von etwa 30 ha. Die östliche Hälfte ist ein relativ ebenes, durch Aufschüttungen von Elbe und Triebisch entstandenes, nach Westen leicht ansteigendes Gelände, welches in seinem Randbereich hochwassergefährdet ist und durch das extreme Elbehochwasser von 2002 teilweise überflutet war. Die Westhälfte wird durch das etwa 40 m höher gelegene Plateau der "Afra-Freiheit" gebildet. Im Norden springt das Burgmassiv weit nach Osten in Richtung Elbe vor.
Durch diese topographische Vielfalt auf engstem Raum (Siedlung am Flussufer, am Berghang und auf der Hochebene) sind bereits in der Altstadt Bauformen und Gestaltungselemente anzutreffen, die bei der weiteren Ausdehnung der Stadt für ganz Meißen typisch wurden: kurvenreiche, stark ansteigende Verkehrswege, weitläufige Treppenanlagen, Terrassierung der Hänge für Gebäude und Weinanbau, Stützmauersysteme, stark verdichtete Bebauung im Tal, aufgelockerte Bebauung auf den Höhen.
Das Plangebiet wird tangiert von einer Bundesstraße sowie der Triebisch im Süden und der Elbe im Osten.
Südwestlich schließt sich an das Plangebiet das Areal zwischen Steinberg und Talstraße an, welches die Verbindung zur Porzellanmanufaktur herstellt. Dieses, durch einen starken Fußgängerstrom (insbesondere Touristen) mit der Altstadt verbundene Gebiet weist erhebliche städtebauliche Mängel auf, hat aber als Übergangszone zu Manufaktur und Triebischtal eine besondere stadtstrukturelle Bedeutung.
Eine weitere wichtige Fußgängerachse führt über Fleischergasse und Rossmarkt zum Hahnemannsplatz und Neumarkt. Dieser südöstlich des Plangebietes liegende Stadtteil wird mit dem Bau des S-Bahn-Haltepunktes und Einkaufszentrums am Neumarkt zukünftig für die Altstadt an Bedeutung gewinnen.
 
Abb. 1: Lage der Altstadt im Stadtgebiet
 
 
 
 
Im Jahre 929 wurde durch König Heinrich I. auf einem Bergsporn an der Elbe die Burg Meißen gegründet. Zunächst als Grenzbefestigung angelegt, wurde sie bald zum Mittelpunkt der deutschen Kolonisation des umliegenden Slawenlandes und Ausgangspunkt für die weitere deutsche Ostexpansion des 11. und 12.Jahrhunderts. Noch vor 1000 wurde die Mark Meißen als neues deutsches Territorium gebildet - die Burg Meißen war Sitz des Markgrafen.
Im Schutze der Burg siedelten sich bald deutsche Kolonisten, Händler und Handwerker an.
Nach jüngsten archäologischen Erkenntnissen muss sich im Bereich des heutigen Theaterplatzes der 983 erstmals erwähnte Elbhafen befunden haben, und die erste Handelsniederlassung westlich davon am Hang des Baderberges, gescharrt um die 1637 zerstörte Laurentius-Kirche. Als dieser Marktflecken zu klein wurde, entstand bis 1150 die planmäßig angelegte Bürgerstadt zwischen Burgberg und Triebisch, die auch eine Stadtmauer erhielt. Im 15.Jh. erlebte Meißen seine erste große Blütezeit als Residenz der Markgrafen von Meißen (ab 1423 auch Kurfürsten von Sachsen) und damit als "Hauptstadt" der Mark Meißen bzw. Sachsens.
Zeugnisse dieser Zeit sind die spätgotischen Bauten des Burgberges, aber auch das Rathaus von 1472 am Markt der Bürgerstadt.
 
Abb. 2:   Die städtische Entwicklung Meißens

 

 
Als die Kurfürsten 1485 ihre Residenz von Meißen nach Dresden verlegten, verlor die Stadt ihre politische Bedeutung. Wirtschaftlich erlebte sie jedoch in der 2.Hälfte des 16.Jh. eine zweite Blüte, getragen von der Bürgerschaft und den erstarkenden Handwerkszünften. In dieser Zeit entstanden die zahlreichen Renaissance-Bürgerhäuser, die noch heute mit ihren hohen Giebeln und prächtigen Sitznischenportalen das Bild der Meißner Altstadt prägen.
Von den schweren Zerstörungen im 30jährigen Krieg (1637 Großbrand) erholte sich die Stadt nur langsam. Neue Impulse für das Wirtschaftsleben gab die 1710 auf der Albrechtsburg eingerichtete erste europäische Porzellanmanufaktur.
Ende des 18., Anfang des 19.Jh. war Meißen Aufenthaltsort zahlreicher Dichter und Maler der Aufklärung und der Romantik. Besonders die verwinkelte Altstadt, die reizvolle landschaftliche Lage und die romantische Umgebung mit Burgen, Schlössern und Klosterruinen zogen die Künstler an.
Ab 1830 setzte mit der Gründung erster größerer Betriebe die Industrialisierung ein. Bedingt durch die Topographie (Lage der Altstadt im engen Talkessel zwischen Burgberg und Triebisch) entstanden die Fabriken mit ihren Gründerzeitwohnvierteln im Triebischtal und auf der anderen Elbseite in Cölln und Niederfähre, was zu einer raschen Erweiterung des Stadtgebietes führte, die Altstadt jedoch vor größeren Eingriffen in die Bausubstanz bewahrte.
In der ersten Hälfte des 20.Jh. erfolgten im Plangebiet der Altstadt einige Lückenschließungen (u. a. Elbstraße 12 und Stadtbibliothek am Kleinmarkt).
Nach 1950 kam es zu einer relativen Stagnation der städtischen Entwicklung - durch Errichtung der Wohnstadt Coswig (10 km entfernt) sogar zu einem Bevölkerungsrückgang in Meißen -, obwohl die Stadt nach wie vor als Mittelzentrum wichtige politische, wirtschaftliche und kulturelle Funktionen zu erfüllen hatte. Die in Randlagen errichteten Wohnsiedlungen in Plattenbauweise blieben, meist bedingt durch die beengte topographische Situation, auf wenige Wohnblöcke beschränkt. In der Altstadt erfolgten kaum Instandhaltungsmaßnahmen an der jahrhundertealten Substanz. Ab den 70er Jahren mussten vereinzelt Gebäude wegen ihres schlechten Bauzustandes abgetragen werden; die Schließung der Lücken erfolgte unvollständig und nur sehr zögerlich in den 80er Jahren (Görnische Gasse, Kerbe). Mit dem Start des Modellvorhabens "Altstadtsanierung Meißen" im Jahre 1990 war die Chance gegeben, die Altstadt baulich wiederherzustellen und den funktionellen Erfordernissen eines historischen, aber lebendigen Stadtzentrums anzupassen. Der  städtebauliche Rahmenplan in seiner Neufassung von 2007/2008 bildet die Grundlage für sämtliche Sanierungsmaßnahmen.
 

 


 
 
 
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