Zum Inhalt springen
Kontakt

Das Gründungsviertel

Das Gründungsviertel ist eine der historischen Keimzellen Lübecks und deshalb von herausragender Bedeutung für die Stadt. Im Zweiten Weltkrieg durch einen Bombenangriff stark zerstört, wurde das einst prächtige Kaufmannsviertel in den 1950er Jahren abweichend von der historischen Struktur mit zwei großen Einzelgebäuden für berufsbildende Schulen und einem öffentlichen Parkplatz bebaut. Die Verlagerung dieser Schulen und die Finanzierung der archäologischen Grabungen im Gründungsviertel aus dem Bundes-Investitionsprogramm „Nationale UNESCO-Welterbestätten“ ab 2009 machten es möglich, dass das Gründungsviertel im Sinne einer kritischen Rekonstruktion der jahrhundertealten Stadtstruktur neugestaltet werden kann.

Hier befand sich das Viertel der hansischen Fernkaufleute und Patrizier. Eine dichte Bebauung von Giebelhäusern und Hofbebauung auf engen Grundstücken prägte das Viertel. Das bis 1942 erhaltene dichte Bild der Bebauung spiegelte sich im Befund der umfangreichen archäologischen Grabungen wieder. Ein kleiner Teil der historischen Bebauungsreste wird als Kulturdenkmal erhalten und dauerhaft gesichert. Die Straßen, die das Gründungsviertel noch heute erschließen, zählen zu den ältesten Straßen Lübecks. Der Neuaufbau in Form eines modernen Wohnquartiers ist ein wohl einmaliges städtebauliches Projekt auf der Lübecker Altstadtinsel. Auf dem rund 10.000 Quadratmeter großen Areal entsteht auf 38 Grundstückparzellen unterschiedlicher Größe in zwei Baublöcken ein zukunftsweisendes, lebendiges Quartier mit individuellen Wohnformen und ergänzenden Nutzungen. In seiner Parzellenstruktur und Dichte, der Aufnahme der historischen Baufluchten, einer Bebauung mit giebelständigen Stadthäusern in zeitgemäßer Architektur und der gemischten Nutzung orientiert sich das neue Wohnquartier Gründungsviertel dabei am historischen Vorbild in zeitgemäßem Kontext. Mit dem Neubau von bis zu 170 Wohnungen und Läden oder Büros in Teilen der Erdgeschosse auf einer Bruttogeschossfläche von insgesamt bis zu 22.000 m² wird urbanes Leben zurückgewonnen und die Lübecker Altstadt als Wohnstandort gestärkt.

Zur Sicherstellung einer hohen städtebaulichen und architektonischen Qualität gab es umfangreiche Beteiligungsverfahren. Der europaweit ausgeschriebene Ideenwettbewerb zur Fassadengestaltung hat zu einer qualitätvollen Architektur beigetragen. Über 130 Architekturbüros haben sich mit ihren Entwürfen für drei unterschiedliche Musterhäuser an dem Anfang 2015 ausgelobten Wettbewerb zur Fassadengestaltung im Gründungsviertel beteiligt. Die Preisgerichtsjury hat acht Preise und sechs Anerkennungen vergeben. Alle prämierten Entwürfe sind in der Broschüre „Lübeck gründet auf kreativer Qualität von Europas Architekten – Der Wettbewerb“ dokumentiert. Die Erwerber werden ausdrücklich ermuntert, einen preisgekrönten Architekten oder eine Architektin zu beauftragen und einen prämierten Entwurf umzusetzen. Ein Großteil der Häuser ist inzwischen gebaut und bewohnt.