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© Stadtplanungsamt Bamberg

Der „Sand“ in Bamberg

Die Entwicklung des Bamberger Sandgebiets zeigt beispielhaft eine erfolgreiche und behutsame Stadterneuerung. Nach einem Attraktivitätsverlust seit den 1970er Jahren durch Verkehr, Nutzungskonflikte und Investitionsstau begann ab 2005 eine gezielte Revitalisierung.

Im Fokus standen die Verkehrsberuhigung, die Aufwertung des öffentlichen Raums und die aktive Beteiligung der lokalen Akteure. Ab 2007 führten bauliche Maßnahmen und private Investitionen zu einer deutlichen Verbesserung.

Heute ist der „Sand“ wieder ein lebendiges Quartier mit hoher Aufenthaltsqualität und positivem Image. Die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten war entscheidend für den Erfolg, der 2010 mit dem Deutschen Städtebaupreis gewürdigt wurde.

Die Entwicklung des Sandgebietes steht exemplarisch für die behutsame und zugleich zukunftsgerichtete Stadterneuerung im UNESCO-Welterbe Bamberg. Die besondere Stadtstruktur der Bamberger Altstadt – gewachsen aus einzelnen Siedlungskeimzellen entlang historischer Handelswege prägt bis heute die räumliche und funktionale Vielfalt der Innenstadt.

Wie viele innerstädtische Randlagen geriet auch der „Sand“ im Zuge der Entwicklung der Fußgängerzone seit den 1970er Jahren zunehmend unter Druck. Während die zentrale Einkaufszone profitierte, verlor das Quartier an Attraktivität: wachsender Durchgangsverkehr, Nutzungskonflikte zwischen Wohnen, Gastronomie und Verkehr sowie ein erheblicher Investitionsstau führten zu städtebaulichen und sozialen Spannungen. Die Obere Sandstraße erlangte den Ruf als Bambergs Kneipenmeile, die überwiegend nachts Belebung erfuhr. Gleichzeitig verfügte das Gebiet weiterhin über erhebliche Potenziale für eine nachhaltige Revitalisierung zu einem lebendigen Mischquartier mit rund 650 Einwohnern und etwa 750 Arbeitsplätzen.

Vor diesem Hintergrund wurden in den Jahren 2005 bis 2006 vorbereitende Untersuchungen nach dem Besonderen Städtebaurecht durchgeführt. Zentrales Ziel war die Stärkung des „Sandes“ als urbanes Quartier mit vielfältigen Nutzungen und hoher Aufenthaltsqualität. Schlüsselmaßnahme war die Herausnahme des Durchgangsverkehrs, um die Voraussetzungen für eine nachhaltige Aufwertung des öffentlichen Raums sowie stabile Perspektiven für Gewerbe und Wohnen zu schaffen. 

Ab 2007 begann die bauliche Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen. Durch den Einbau von Polleranlagen mit automatisierter Kennzeichenerfassung konnte der Durchgangsverkehr wirksam unterbunden werden, während die Erreichbarkeit für Anlieger und Gewerbe erhalten blieb. In mehreren Bauabschnitten wurde der öffentliche Straßenraum sensibel neugestaltet Besondere Aufmerksamkeit galt dabei einer Oberflächengestaltung durch ein hochwertiges Pflastermaterial, welches sowohl den Ansprüchen an die Barrierefreiheit als auch an das historische Ambiente Rechnung trägt.

Die öffentlichen Investitionen wirkten als Impuls für umfangreiche private Folgeinvestitionen. Zahlreiche Gebäude wurden instandgesetzt, neue Geschäfte eröffnet und bestehende
Nutzungen stabilisiert. 

Der Schlüssel zum Erfolg der Sanierungsmaßnahme im Sand lag in einer vorbildlich intensiven Betroffenenbeteiligung. Im Rahmen des Modellprojekts „Leben findet Innenstadt“ wurde die Interessengemeinschaft „interesSAND“ gegründet. Im Rahmen dieser öffentlich-privaten Kooperation arbeiten Eigentümer, Gewerbetreibende, Bewohner und Verwaltung eng zusammen. Die IG initiiert Veranstaltungen, Marketingmaßnahmen und Projekte zur weiteren Quartiersentwicklung und legte damit den Grundstein zur Verstetigung verschiedener Projekte, die bis heute den Sand positiv prägen,
wie z.B. der Adventsmarkt im Sand, Fete de la Musique oder die Sand-Flohmärkte.

Die Revitalisierung des Sandgebiets führte innerhalb weniger Jahre zu einer grundlegenden Verbesserung der Aufenthaltsqualität und zu einem deutlichen Imagewandel des Quartiers. Viele Cafés sorgen nun auch tagsüber für eine Belebung. Der öffentliche Raum wurde für die Menschen zurückgewonnen, die Besucherzahlen stiegen erheblich.

Die hohe Qualität des Prozesses und der Ergebnisse wurde auch auf Bundesebene gewürdigt: Im Rahmen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik wurde der „Sand“ als eines der bundesweit vorbildlichen Projekte zur integrierten Quartiersentwicklung u.a. mit dem Deutschen Städtebaupreis 2010 ausgezeichnet. Besonders hervorgehoben wurde dabei die beispielhafte Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und lokalen Akteuren sowie die konsequente Verbindung von verkehrlicher Neuordnung, städtebaulicher Gestaltung und aktiv gesteuerter Bürgerbeteiligung.

© Stadtplanungsamt Bamberg
 
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