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© Stadt Bamberg/Sonja Seufferth

Sommer an der Promenade

Das Projekt „Sommer an der Promenade“ erprobte im Sommer 2024 in Bamberg neue Formen der gemeinschaftlichen Nutzung des öffentlichen Raums. Eine zuvor vom Parkverkehr dominierte Fläche wurde für zwei Monate temporär umgestaltet und als Experimentierraum für alternative Nutzungen geöffnet.

Im Mittelpunkt standen die Aufhebung von Stellplätzen, die Verkehrsberuhigung sowie ein breiter Beteiligungsprozess, der unterschiedliche Interessen aktiv einbezog. Zahlreiche lokale Akteure gestalteten ein vielfältiges Angebot aus Kultur, Sport und Aufenthaltsmöglichkeiten.

Das Projekt zeigte, wie innerstädtische Flächen als lebendige Begegnungsorte neu gedacht werden können. Besonders prägend war der dialogorientierte Ansatz, der wichtige Impulse für die zukünftige Entwicklung öffentlicher Räume lieferte.

Mit dem Projekt „Sommer an der Promenade“ erprobte die Stadt Bamberg im Sommer 2024 neue Wege einer gemeinschaftlich gedachten Stadtgestaltung.

Die Nördliche Promenade wurde dabei für rund zwei Monate zu einem innerstädtischen Real-Labor, in dem neue Nutzungen des öffentlichen Raums sichtbar, erlebbar und gemeinsam diskutiert werden konnten. Auf rund 1.400 Quadratmetern entstand ein temporäres Testfeld, das die Stadtgesellschaft dazu einlud, gewohnte Raumstrukturen zu hinterfragen und alternative Möglichkeiten urbaner Flächennutzung praktisch zu erproben.

Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass die Fläche trotz ihrer zentralen Lage lange Zeit deutlich unter ihren städtebaulichen Möglichkeiten blieb. Die ursprüngliche Idee eines multifunktional nutzbaren Platzes war seit einer Neugestaltung im Jahr 2003 weitgehend von ruhendem Verkehr überlagert: 25 Kurzzeitparkplätze und der damit verbundene Parksuchverkehr prägten das Bild.

Im Rahmen des Projekts wurden diese Stellplätze temporär aufgehoben und der Durchgangsverkehr aus dem Bereich herausgenommen. Damit entstand die räumliche Voraussetzung, die Promenade für andere Formen der Nutzung zu öffnen und ihre Potenziale als Aufenthalts-, Begegnungs- und Veranstaltungsort neu sichtbar zu machen.

Gefördert durch das Sonderprogramm „Innenstädte beleben“ der bayerischen Städtebauförderung war das Projekt bewusst nicht allein als temporäre Umgestaltung angelegt, sondern als offener Kommunikations- und Beteiligungsprozess. Ziel war es, Perspektivwechsel zu ermöglichen und gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Initiativen, Vereinen und weiteren lokalen Akteuren über die Zukunft innerstädtischer Freiräume ins Gespräch zu kommen. Gerade vor dem Hintergrund des Strukturwandels in den Innenstädten, in denen der stationäre Handel seine frühere Rolle als alleiniger
Frequenzbringer zunehmend verliert, stellte das Projekt die Frage, wie öffentliche Räume künftig vielfältiger, gerechter und gemeinwohlorientierter genutzt werden können.

Die Herausforderung bestand dabei nicht nur in der temporären Neuorganisation einer bislang vom Parken geprägten Fläche, sondern vor allem im Umgang mit den unterschiedlichen Erwartungen an den öffentlichen Raum. Der Wunsch nach mehr Aufenthaltsqualität, Grün, kulturellen Angeboten und nicht-kommerziellen Nutzungsmöglichkeiten steht vielerorts in einem Spannungsverhältnis zur Forderung nach dem Erhalt innerstädtischer Stellplätze. Entsprechend kontrovers werden solche Veränderungsprozesse häufig diskutiert. In Bamberg wurde dieser Zielkonflikt bewusst nicht
ausgeblendet, sondern durch Beteiligungsformate, Gespräche vor Ort sowie begleitende Online- und Vor-Ort-Befragungen aktiv aufgegriffen. So entstand ein Dialog auf Augenhöhe, der unterschiedliche Sichtweisen sichtbar machte und die Grundlage für eine sachlich fundierte Weiterentwicklung schuf.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Projekts lag in der engen Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung, lokaler Politik sowie zahlreichen zivilgesellschaftlichen und kulturellen Akteuren. Schulen, Bürgerinitiativen, Kunst-, Kultur- und Sportvereine brachten eigene Ideen und Beiträge ein und machten die Promenade zu einem Ort gemeinschaftlicher Aneignung. Es entstand ein vielfältiges Programm aus Kunst, Theater, Literatur, Musik, Tanz und Sport. Ergänzt wurde dieses durch gezielte Angebote für einen nicht-kommerziellen Aufenthalt: Sitzgelegenheiten, Bücherkisten, Liegestühle, temporäre Begrünung, ein Wasserspielangebot für Familien sowie niedrigschwellige Mitmachformate luden zum Verweilen, Austauschen und Ausprobieren ein. Auf diese Weise wurde der Stadtraum nicht nur anders gestaltet, sondern auch anders erlebt.

Der „Sommer an der Promenade“ machte damit anschaulich, welchen Beitrag multifunktionale Freiräume zur Zukunftsfähigkeit von Innenstädten leisten können. Die temporäre Umnutzung zeigte, dass öffentliche Räume mehr sein können als Verkehrs- oder Abstellflächen: Sie können als Begegnungsorte, Kulturorte und gemeinschaftlich genutzte Stadträume einen wichtigen Mehrwert für die gesamte Stadtgesellschaft entfalten.

Zugleich wurde deutlich, dass Mitgestaltung Wirkung erzeugt. Bürgerinnen und Bürger konnten erfahren, dass ihre Ideen und Wünsche ernst genommen werden, während Verwaltung und Politik neue Erkenntnisse darüber gewannen, welche Potenziale freigesetzt werden, wenn Stadtentwicklung als gemeinsamer Lern- und Aushandlungsprozess verstanden wird.

Die besondere Qualität des Projekts liegt daher weniger in einer einzelnen baulichen Maßnahme als in seinem experimentellen und prozessorientierten Ansatz. Der offene Austausch im Projektzeitraum machte vorhandene lokale Expertise sichtbar, bündelte Erfahrungen und half dabei, Erfolge ebenso wie Zielkonflikte klarer zu benennen. In diesem Sinne wirkte das Real-Labor als Katalysator für weiterführende Entscheidungen zur
künftigen Entwicklung innerstädtischer Räume. Der „Sommer an der Promenade“ setzte damit einen wichtigen Impuls, öffentliche Flächen neu zu denken, gerechter zu verteilen und die Innenstadt als lebendigen, gemeinschaftlich getragenen Lebensraum weiterzuentwickeln.

© Stadtplanungsamt Bamberg
 
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© Stadt Bamberg/Sonja Seufferth
 
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