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Lübeck

 
 
 

Die Stadt Lübeck
In Lübeck ist mehr historische Bausubstanz aus dem 13. bis 15. Jahrhundert erhalten als in allen anderen Städten Norddeutschlands zusammen. Diese Aussage macht das Ausmaß der Aufgaben zur Erhaltung des historischen Stadtbildes der Hansestadt Lübeck deutlich. Die sanierungsbedürftigen Stadtviertel befinden sich ausnahmslos auf der rund 100 Hektar großen, von Wasserläufen und den Resten der Wallanlagen umgebenen Insel der Altstadt, die Ende 1987 von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde.

Bemühungen um die Erhaltung und Bewahrung des historischen Stadtbildes und der Denkmalschutz haben in Lübeck eine lange Tradition. So verordnete der Rat der Stadt bereits im Jahre 1816, dass jeder Bürger den beabsichtigten Verkauf eines Hauses oder eines Kunstwerkes anzeigen müsse. Diesem Erlaß verdankt Lübeck unter anderem seine berühmte Altarsammlung im St. Annen Museum. Als die Kirchen ihre alten Altäre durch neue, dem Zeitgeschmack entsprechende Altäre ersetzen ließen, kaufte die Stadt die historischen Stücke auf.
  
Seit dem Jahre 1921 besaß die damals noch selbständige Hansestadt Lübeck eines der frühen deutschen Denkmalschutzgesetze. Schon 100 Jahre vorher durften in der Altstadt Häuser erst dann abgerissen werden, wenn ein Zeichner der Baubehörde das Aussehen der Fassade in allen Einzelheiten für das Archiv festgehalten hatte.

Etwa ein Fünftel der historischen Altstadt wurde im letzten Krieg bei dem einzigen schweren Luftangriff 1942 zerstört.  Besonders während des Krieges und in den Nachkriegsjahren hatten sich in der Altstadt bautypische Schäden aufgrund mangelnder Unterhaltungsmaßnahmen angehäuft. So waren zum Beispiel die innenliegenden Dachrinnen der überwiegend giebelständigen Häuser Ursache vieler Schäden durch Feuchtigkeit. Dazu kamen sanitärtechnische Mängel: Rund 30 Prozent der Haushalte in der Innenstadt verfügten nicht über eigene Toiletten, 60 Prozent hatten kein eigenes Bad. Darüber hinaus konnten die einzelnen Quartiere wegen starker Überbauung der Freiflächen, wegen funktionsunfähiger Gebäude und fehlender Infrastruktur ihren Zweck, Lebensraum für gesundes Wohnen und Arbeiten zu sein, nicht mehr erfüllen.

Angesichts dieses Zustandes wurde eine umfassende Sanierung der Lübecker Altstadt notwendig. Man begann Ende der 60er Jahre mit einer gründlichen Bestandsaufnahme. Die anschließende öffentliche Diskussion über die Ziele der Sanierung dauerte mehrere Jahre und hatte folgendes Ergebnis:

1. Die Innenstadt soll als Kulturdenkmal erhalten bleiben.
2. Die City soll als wirtschaftliches Zentrum der Region bestehen bleiben, über die bestehenden Bereiche
     hinaus allerdings nicht ausgedehnt werden.
3. Im Bereich der Altstadt soll Wohnraum erhalten und ausgebaut werden.

Die Entscheidung über diese Grundsätze der Sanierung fiel Mitte der 70er Jahre. Um keine Zeit zu versäumen, hatte man bereits parallel zur öffentlichen Diskussion mit ersten Maßnahmen in den am dringendsten erneuerungsbedürftigen Bereichen begonnen. Nach und nach wurden weitere Sanierungsgebiete nach dem Städtebauförderungsgesetz festgelegt und damit auch die Voraussetzung für die Entwicklung von Privatinitiativen geschaffen. Die Sanierungsgebiete liegen vor allem in den nordöstlichen, nordwestlichen und südwestlichen Teilen der Altstadt. Insgesamt wurden 30 Prozent der Altstadt zu Sanierungsgebieten erklärt.

 

Die Planung und Durchführung konzentrierte sich anfangs ausschließlich auf die Erhaltung historischer Bausubstanz und die Sicherung der Wohnfunktion in den historischen Wohnquartieren. Mittlerweile werden die traditionellen, gemischt genutzten Quartiere, in denen Wohnen und Gewerbe nebeneinander  liegen  in die Sanierungskonzepte einbezogen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Wiederherstellung beziehungsweise Umgestaltung der öffentlichen Räume und Plätze im Geschäftszentrum. Damit wird neben der Erhaltung des Stadtbildes auch ein Beitrag zur Stärkung der Funktion des Altstadtkerns im Sinne der erklärten Grundsätze geliefert.

Anfang der 80er Jahre wurde die von der Bürgerschaft beschlossene Zielsetzung der Sanierung der historischen Altstadt konkretisiert und ein städtebaulicher Rahmenplan für die gesamten Altstadt erstellt, der im Jahre 1984 in der Bürgerschaft beschlossen wurde und der jährlich fortgeschrieben wird. Der Rahmenplan enthält Aussagen zu folgenden Themenbereichen Denkmalschutz, Ensembleschutz, Nutzungsstrukturen, Infrastruktur, städtebauliche Mißstände, Verkehr, Ordnungs- und Neubaumaßnahmen sowie Grün - und Freiflächen. Darüber hinaus trifft der Rahmenplan Aussagen über die Prioritäten, nach denen weitere Sanierungsgebiete festgelegt werden sollen.

Für die Durchführung der Einzelbaumaßnahmen bedient sich die Hansestadt Lübeck ihrer Grundstücksgesellschaft "Trave". Darüber hinaus wurden Sanierungen zusammen mit gemeinnützigen Wohnungsunternehmen und privaten Bauherren durchgeführt. Im Jahr 1981 wurde die stadteigene Grundstücksgesellschaft "Trave" auch vertraglich zur Sanierungsträgerin. Seit diesem Zeitpunkt werden alle Maßnahmen, die mit Städtebauförderungsmitteln gefördert werden, durch die Sanierungsträgerin vorbereitet und abgewickelt.

Lübecker Stiftungen stellen Jahr für Jahr Millionen für die Restaurierung und Erhaltung wertvoller Gebäude zur Verfügung.

 

Inzwischen sind die Erfolge der Sanierung und des Denkmalschutzes überall in der Stadt zu sehen. Einzelne Projekte, die Förderer der Sanierung und des Denkmalschutzes sowie die Hansestadt Lübeck selbst, wurden mehrfach ausgezeichnet. So wurde der Denkmalschutzpreis des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz wiederholt an Lübeck vergeben.

 

Seit dem Erlaß des Städtebauförderungsgesetzes 1972 flossen über 180 Millionen Euro in Sanierungsmaßnahmen in der Lübecker Innenstadt.

 
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